Wie kann man vorsorgen? Streitpotential verkleinern?

Wenn die Ehe gut läuft, wenn Kinder dazu kommen, die Mutter Zeit hat, sich zu kümmern, der Vater gutes Geld verdient – so wünschen die meisten Ehepartner sich ihre Zukunft.

 

Doch angesichts der Scheidungsstatistik muss sich jeder darüber im Klaren sein, dass nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen.

 

Wer eine Lebensversicherung abschliesst, tut dies nicht, weil er sterben will, sondern weil er die Möglichkeit, dass ihm das zur Unzeit geschieht, absichern will. Ein vorsorgender Ehevertrag hat keine andere Funktion. Man schliesst ihn nicht ab, weil man sich scheiden lassen will, sondern weil es passieren kann - und man dafür den Schaden begrenzen will.

Ein Ehevertrag bedeutet nicht (nur) Gütertrennung

Wenn Sie meinen, ein Ehevertrag bedeute Gütertrennung - weit gefehlt. In einem Ehevertrag kann der Güterstand geregelt werden, aber auch vieles mehr. Nach der Unterhaltsreform sind vertragliche Regelungen zum Unterhalt Kernthema von Vereinbarungen.

Am Mittwoch, 27.4.2011 ging es in der WDR-2-Servicezeit um Eheverträge. Warum sind sie sinnvoll? Was kann man dort regeln? Welche Bedeutung hat die Unterhaltsreform 2008 für Eheverträge?

Sie haben die Sendung verpasst? Hören Sie mich im Gespräch mit Moderator Dieter Könnes im WDR-Podcast.

Die Scheidung kann eine Existenz vernichten

Der Preis, den Frauen - und manchmal auch Männer – dafür zahlen, dass sie die Familie an erste Stelle setzen und zeitweise oder vollständig ihren Beruf aufgeben, kann so hoch sein, dass er die Existenz vernichtet. Denn die Zeiten, in denen eine Hausfrau wusste, dass ihr Mann sie dauerhaft versorgt, sind seit der Unterhaltsreform 2008 vorbei. Sie kann das nach wie vor hoffen - in Sicherheit wiegen kann sie sich nicht mehr.

Wenn nämlich eine Scheidung ansteht, geht es nach dem neuen Unterhaltsrecht zunächst um die Versorgung der Kinder. Und sind diese älter als drei Jahre und können ganztags betreut werden (was immer mehr zum Normalfall wird), hat die Ex-Frau im Prinzip keinen Anspruch mehr auf Unterhalt. Ausnahmsweise wohl doch, aber für die Ausnahme hat sie die volle Darlegungs- und Beweislast, eine manchmal vor Gericht zu hohe Hürde.

Es ist für die Frauen tragisch, die unter völlig anderen Voraussetzungen ihre Ehe geschlossen und ihren Lebensweg eingeschlagen haben. Das betrifft derzeit vor allem ältere Frauen, die ihre Lebensplanung nach einem völlig anderen gesellschaftlichen Modell ausgerichtet haben - eben der Hausfrauenehe. Es betrifft aber auch die Frauen, die sich in Zukunft darauf einlassen wollen, ihre eigene Karriere unwichtiger zu finden als die Versorgung der Kinder und vor allem als die Karriere des Mannes.

 

Das ist auch für viele Kinder tragisch, wenn nachher der allein erziehende Elternteil den Spagat zwischen Vollzeitstelle, Kinderbetreuung und Haushalt kaum noch schafft.

Und doch ist das Unterhaltsrecht ein Fortschritt, weil es dem rasanten gesellschaftlichen Wandel in den vergangenen zehn Jahren Rechnung trägt. Inzwischen ist die völlige Berufsaufgabe einer jungen Mutter eher die Ausnahme. Väter bringen sich zunehmend in die Alltagsarbeit der Familie ein. Das entspricht dem Zeitgeist und wird von der Familienpolitik gefördert und auch gefordert.

Die Lasten (und die Freuden) von Familie und Beruf werden zunehmend auf zwei Schultern verteilt.

 

Aber eben längst noch nicht gleichmäßig.

 

Und daher ist es umso wichtiger, dass die jungen Ehepartner nicht einfach stillschweigend etwas praktizieren, wovon einer nachher nur Vorteile, der andere nur Nachteile hat.

 

Welchen Vorteil bietet ein vorsorgender Ehevertrag?

In guten Zeiten der Ehe kann man verhandeln: Wer von beiden nimmt aus der gewollten Rollenaufteilung berufliche – und damit wirtschaftliche – Nachteile in Kauf? Was konkret werden das voraussichtlich für Nachteile sein? Ist der andere bereit, das bei Scheitern der Ehe zu kompensieren? Man kann die typischerweise nach Scheitern einer Ehe relevanten Argumente vorwegnehmen. Lesen Sie dazu die Seite über den Ehegatten-Unterhalt.

 

Auch ohne dass man bereits weiß, wie sich das in Euro und Cent ausdrücken wird: Den Umfang der nachehelichen Verantwortung füreinander kann man in einem Ehevertrag (notariell!) festlegen. Aushandeln kann man ihn in einer Mediation.

 

 

 

 

 

Auch wenn die Ehe noch im siebten Himmel ist, oder: gerade dann!

Kann man das Verhandeln noch nachholen?

Ja, zu jedem Zeitpunkt in der Ehe, auch noch im Scheidungsverfahren, kann ein Ehevertrag geschlossen werden. Hilfe beim Verhandeln bietet dann Mediation.

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Diese Seiten wurden von mir zuletzt aktualisiert am 31.1.2012

 

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